Silvester in Italien: Bräuche und MenüsFröhliches Fest mit Linsen und Schweinsfüßen in roter Unterwäsche
Das Silvestermenü ist komponiert mit vielen Meeresfrüchten, die Menschen tanzen und spielen Lotto: Der Start ins Neue Jahr ist in Italien ein Fest der Großfamilie.
Silvester in Italien ist laut, fröhlich und bunt. Für den Abschied vom alten und den Start in das Neue Jahr haben die Italiener drei Möglichkeiten: Trotz aller Wirtschaftskrisen machen viele Urlaub, sie machen von Weihnachten bis zum Dreikönigstag am 6. Januar den „ponte“ – die Brücke über arbeitsfreie Tage. Und in dieser Zeit zieht es viele auch in die weite Welt. Zum Jahresende 2007 waren es zehn Millionen. Aus unerfindlichen Gründen sind seit Jahr und Tag die Malediven oder Kuba besondere Attraktionen. Der größere Teil bleibt zu Hause – aber dann in der Großfamilie, dann sind sie alle beieinander vom Opa bis zum Enkelkind. Viele allerdings ziehen mit der Familie, mit der Gruppe laut und fröhlich ins Restaurant; nicht nur zum ausgiebigen Festmahl, sondern auch zu Spiel, Tanz und Gesang. Tanz und Spiel zu Silvester in ItalienDas Zeremoniell ist daheim wie im Restaurant ähnlich. Wer traditionsbewusst ist – und darüber amüsiert sich Jahr für Jahr der gemeine Mitteleuropäer – trägt am Silvesterabend rote Unterwäsche; nicht nur die Frauen. Es bringt angeblich Glück. Dann wird aufgetischt, dass sich die Balken biegen; danach wird getanzt, zumeist in Grüppchen, in einer Art Volkstanz, der dem Square Dance ähnelt. Derweil spielen andere Karten oder veranstalten ein Lotto – und es geht dabei auch um Geld. Damit der Wein nicht zu früh dem fröhlichen Treiben ein Ende bereitet, werden in Teig ausgebackene Salbeiblätter und andere kleine Biscotti, Kekse, gereicht. Oder eine Granita limone, Halbgefrorenes, das viele Hausfrauen im Süden selbst bereiten, denn es ist nichts anderes als zerstoßener, zerbröselter, zuvor gefrorener Zitronensaft im Glas. Silvesteressen mit vielen MeeresfrüchtenDie Hausfrau legt wie die Köche im Restaurant natürlich wie überall in der Welt besondere Sorgfalt in die Bereitung des Silvestermenüs, das regional unterschiedlich sein kann, aber doch eine gemeinsame große Linie hat: Es ist viel Fisch dabei, genauer: Meeresfrüchte. Einer der größten Pastahersteller, der weit über die Grenzen des Landes hinaus Spaghetti, Farfalle, Penne und anderes offeriert, hat für die magischste Nacht des Jahres ein Menüangebot veröffentlicht, das – mit italienischem Flair - auf den deutschen Gaumen zugeschnitten ist. Es ist folgendermaßen komponiert: Vorspeise: Schwertfisch-Carpaccio mit Orange. Das frische Aroma der Frucht belebt in der Tat den rohen Fisch. Viele nehmen statt Schwertfisch den Tunfisch, tonno, und zwar leicht geräuchert. Erster Gang: Farfalle mit Scampi und Linsen. Farfalle sind Nudeln in Schmetterlingsform – und Linsen als Glücksbringer gehören sowie zu einer italienischen Silvesterfeier. Zweiter Gang: Tintenfisch-Spießchen auf Rauke. Es ist ein leichter Hauptgang. Zu den Spießchen (Fleischspießchen sind natürlich auch nicht verboten) wird der frische und knackige Raukesalat gereicht, versetzt mit Trockenobst, das zuvor mit Balsamicoessig in der Pfanne geschwenkt wurde. Nachtisch: Das ist in den meisten Fällen ein mit Mascarpone-Creme gefüllter Panettone. Die Creme ist mit Schokoladensplittern durchsetzt. Zum Essen wird vorzugsweise ein leichter Weißwein gereicht. Linsen mit dem SchweinefußUnd dann kommt die Mitternachtsstunde und mit ihr wieder etwas Deftiges auf den Tisch. Das sind dann die Glücksbringer in Form von Linsen mit Cotechino (gekochte Schweinswurst) oder mit Zampone (gefüllter Schweinsfuß). Schließlich schlägt es Mitternacht, die Prosecco-Korken und das Feuerwerk knallen, aber mit dem Gaumenschmaus ist es noch nicht zu Ende. Jetzt wird nämlich zum guten Schluss ein Pandoro (Topf-Rührkuchen) gereicht, der mit Puderzucker bestäubt ist und zu dem außerdem eine gehörige Portion Vanille-Eis sehr gut passt. Polterabend zur Stunde NullIn Neapel haben sie früher zur Mitternachtsstunde im Übermut alte Möbel aus dem Fenster auf die Strasse geworfen. So suchten heimwärts Ziehende vorsichtshalber stets die Straßenmitte, vor allen in Fuorigrotta und anderen Altstadtvierteln. Heute belässt man es beim Zerschlagen von Geschirr auf dem Bürgersteig. Polterabend zur Stunde Null des neuen Jahres.
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